Foto: Schulleiterin Heidi Becker, Rochus-Realschule plus Bingen.

Bingen (jk) – Im Kreis Mainz-Bingen wächst die Zahl der Schulen, die sich aktiv und bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt einsetzen.Ab sofort darf sich auch die Rochus-Realschule plus mit Fachoberschule Bingen offiziell „Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage“ nennen. Damit gehört sie zu einer von insgesamt neun Schulen im Kreis, die diesen Titel trägt. Bei einer Feierstunde in Bingen wurde das Prädikat von der Landeszentrale für Politische Bildung verliehen. „Dieser Titel zeigt: Sie setzen sich auf vorbildhafte Weise mit dem sehr schwierigen Thema ‚Rassismus‘ auseinander. Und dieser ist in unserer Gesellschaft leider allgegenwärtig“, so der Erste Kreisbeigeordnete Steffen Wolf.

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Vor ungefähr einem Jahr startete das Projekt, das von einigen Schülerinnen und Schülern in der Geschichts-AG angestoßen wurde. Gemeinsam mit Kollegium und Schulleitung wurden daraufhin die Themen Rassismus, Diskriminierung und Gewalt intensiv behandelt. Es wurden Konzepte entworfen, damit der Gedanken eines friedlichen Zusammenlebens nicht nur an der Schulfassade steht, sondern auch tatsächlich im Schulalltag gelebt wird. So wurde zum Beispiel eine Patenschaft mit dem Arbeitskreis Jüdisches Bingen ins Leben gerufen. Regelmäßig werden Stolpersteine in Bingen gereinigt und der Jüdische Friedhof gepflegt. Zudem unternimmt die Schule Erinnerungsfahrten zu geschichtsträchtigen Mahnmalen oder organisiert – wie aktuell – eine Ausstellung über Schicksale ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger Bingens.

Für die Auszeichnung galt es, bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen: Es mussten zum Beispiel Unterschriften für eine Selbstverpflichtungserklärung gesammelt werden. Mindestens 70 Prozent der Schulgemeinschaft musste bestätigen, gegen jede Form von Diskriminierung einzutreten – sowohl im Schulalltag als auch im Privaten. Zum Konzept gehört darüber hinaus, einen geeigneten Paten zu finden, der das Engagement und die Werte der Schule dauerhaft unterstützt. Dieser wurde auch schnell gefunden: der Vorsitzende des Arbeitskreises Jüdisches Bingen Hermann-Josef Gundlach.

Aktuell gibt es neun Schulen im Landkreis Mainz-Bingen, die den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ tragen, acht von ihnen liegen in Trägerschaft des Kreises: Die IGS Kurt Schumacher Ingelheim, die IGS Nieder-Olm, das Sebastian-Münster-Gymnasium Ingelheim, das Gymnasium zu St. Katharinen Oppenheim, die IGS Gerhard Ertl Sprendlingen, das Stefan-George-Gymnasium Bingen, die IGS Oppenheim und nun auch die Rochus-Realschule plus mit Fachoberschule Bingen. Schule mit Courage darf sich auch die Hildegardisschule Bingen nennen, Träger ist das Bistum Mainz. Seit 2008 hat die Landeszentrale für politische Bildung die Landeskoordination des Projekts ‘Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage’ übernommen. Seither ist die Zahl der Projektschulen von elf auf 160 in Rheinland-Pfalz gestiegen, 19 Schulen davon kamen allein im Jahr 2019 dazu. (Quelle: Pressestelle Kreisverwaltung Mainz-Bingen)