Fotoquelle: RHN / Pixabay

MAINZ-BINGEN (jk)– Nach Einschätzung von Gesundheitsamtsleiter Dr. Dietmar Hoffmann liegt der Anteil der Delta-Variante an den aktuellen Neuinfektionen in der Region bei mittlerweile rund zwei Dritteln.

„Immer ist dabei aber zu berücksichtigen, dass nach wie vor nicht alle positiven Proben auf das Vorliegen einer Virus-Variante untersucht werden und daher viele Angaben auf hochgerechneten Studienergebnissen beruhen. Außerdem kann eine Vollgenomtypisierung durchaus bis zu zehn Tage lang dauern. Die Veröffentlichungen hinken daher dem Infektionsgeschehen immer etwas hinterher.“

Bislang gibt es insgesamt 40 Nachweise in Mainz und 24 im Landkreis Mainz-Bingen. Im Juli sind es aktuell bisher ein bestätigter Fall in Mainz-Bingen und fünf im Mainzer Stadtgebiet. Interessant ist der Blick auf die prozentuale Verteilung: Im gesamten Juni lag der Anteil der Delta-Variante bei 13,86 Prozent. Im Juli sind es bisher schon 46,15 Prozent. Damit verdrängt die Delta-Variante mittlerweile die bisher vorherrschende Alpha-Variante immer stärker. Keine große Rolle spielen derzeit allerdings die übrigen Virus-Mutationen.

Zu einem größeren Ausbruch kam es bisher nur einmalig in einer Wohnanlage in Mainz. Hier waren vier Haushalte, die Kontakt untereinander hatten, betroffen. Dies führte zu elf Infizierten, wovon drei Personen doppelt geimpft waren. „Allerdings haben sich auch einige enge Kontaktpersonen nicht angesteckt“, sagte Dr. Hoffmann. Voraussichtlich Anfang kommender Woche kann die Quarantäne bei diesem Ausbruch beendet werden. Ansonsten sind aktuell in Mainz zwei Schulen und im Landkreis eine Schule mit jeweils einem Infektionsfall betroffen. In Kindertagesstätten gibt es derzeit keine Fälle.

Wie sich die Situation in den nächsten Wochen entwickelt, wird vom Gesundheitsamt genau beobachtet. Die derzeitigen Öffnungen sind auch aus epidemiologischer Sicht gerechtfertigt. Das Problem ist aber, dass viele Lockerungen zeitgleich eintreten: „Falls die Fallzahl wieder deutlich ansteigt, wird es äußerst schwierig sein, herauszufinden, welcher Lockerungsschritt dazu beigetragen hat und an welcher Stelle gegebenenfalls wieder Einschränkungen erforderlich sind“, sagte Dr. Hoffmann. Der Leiter des Gesundheitsamtes rechnet durchaus damit, dass mit der Rückreisewelle am Ende der Sommerferien die Zahl der Neuinfektionen wieder steigt. Aufgrund des guten Impffortschritts sei aber zu vermuten, dass es eher keine so großen Ausbrüche, so viele schwere Verläufe und Todesfälle mehr geben wird. Schulen, insbesondere Grundschulen und die Kindergärten werden vermutlich im Fokus des Infektionsgeschehens stehen, da für Kinder bis zum 12. Jahr noch kein Impfstoff zugelassen ist. Daher sei es jetzt wichtig, tragfähige Konzepte für den Herbst und Winter zu entwickeln, um nicht erneut durch Krankheitsfälle und Quarantäne den Kindern den so wichtigen Schul- oder Kindergartenbesuch verwehren zu müssen, so Dr. Hoffmann.