"Abschied ist nicht gleichbedeutend mit Rückzug" (Foto: Red/Rhn)

(RHN/SP) Wenn Howard Carpendale nach der Pause die Bühne betritt, gibt es keinen Zweifel daran, was folgt: Mit „Hello again“ eröffnet der Ausnahmekünstler den zweiten Teil seines Konzerts in der ausverkauften Festhalle Frankfurt – und das Publikum ist sofort wieder voll da. Es ist einer dieser Abende, die zeigen, warum Carpendale seit Jahrzehnten zu den größten Namen der deutschsprachigen Musikszene zählt.

Im Rahmen seiner „Abschiedstournee“ macht der 80-Jährige deutlich, dass „Abschied“ nicht gleichbedeutend mit Rückzug ist. Mit einem Augenzwinkern erklärt er dem Publikum, dass er zwar nicht mehr auf große Tour gehen werde, Auftritte – gern auch wieder in Frankfurt – aber keineswegs ausgeschlossen seien. Die Festhalle bezeichnet er dabei charmant als „lauteste Halle Deutschlands“ – und bekommt prompt die passende Bestätigung aus tausenden Kehlen.

Musikalisch präsentiert sich der Abend überraschend modern und facettenreich. Carpendale gelingt es, sich vom klassischen Schlager-Image zu lösen, ohne seine Wurzeln zu verleugnen. Unterstützt von zwölf hochkarätigen Musikern, die den Songs durch neue Arrangements frischen Glanz verleihen, entsteht ein Soundbild, das zwischen Ballade und Rock pendelt. Eine vielseitige Instrumentierung mit Bläsern, Cello, Akkordeon, Mundharmonika und Flöte sorgt für Abwechslung und Tiefe.

Auch stimmlich zeigt sich der Entertainer in bemerkenswerter Verfassung. Während anspruchsvolle Höhen – etwa bei „Ti amo“ – elegant an seine starken Background-Sänger übergeben werden, bleibt Carpendale selbst stets präsent und charismatisch. Auffällig: Band und Sängerinnen rücken immer wieder bewusst in den Vordergrund und werden so zum integralen Bestandteil der Show – auch wenn sie namentlich im Hintergrund bleiben.

Eine gewisse Distanz zwischen Künstler und Publikum entsteht durch die imposante Bühnentechnik, die wie eine Barriere wirkt – doch emotional wird diese schnell überwunden. Besonders die zahlreichen weiblichen Fans in den ersten Reihen feiern ihren Star mit spürbarer Begeisterung. Carpendale selbst bringt es treffend auf den Punkt: „Es waren zweieinhalb Stunden, die irgendwie schön waren.“

Typisch für den sympathischen Entertainer sind auch die kleinen, menschlichen Momente: Als das Mitsingen einmal nicht ganz klappt oder er selbst bei „Deine Spuren im Sand“ kurz ins Stocken gerät, wird daraus kein Makel, sondern ein verbindendes Element zwischen Bühne und Publikum.

Mit viel Selbstironie und Charme führt Carpendale durch den Abend. Seine Moderationen reichen von humorvoll bis leicht sarkastisch. So spekuliert er augenzwinkernd, die Halle sei vielleicht nur deshalb so voll, weil er mittlerweile 80 sei – nach dem Motto: „Jetzt muss ich schnell da hin, sonst sehe ich den Typen nicht mehr.“

Auch beim Zugabenteil bleibt er seiner lockeren Art treu: „Wir tun so, als kämen wir nicht wieder. Ihr wisst: Sie kommen wieder. Da können wir auch einfach weitermachen.“ Gesagt, getan – und mit neueren Titeln beweist er eindrucksvoll, dass er auch nach über 60 Jahren auf der Bühne noch immer voller Energie steckt.

Fazit: Ein Konzertabend, der zeigt, dass wahre Größe nicht vom Alter abhängt. Howard Carpendale verabschiedet sich nicht – er verändert lediglich die Art, wie er seine Fans weiterhin begeistert. Und das gelingt ihm auch mit 80 Jahren noch auf höchstem Niveau.