ALZEY (bs/az) – Die „Gut Stubb“ ist zurück: Mit der offiziellen Wiedereröffnung wurde die Stadthalle pünktlich zur Fastnachtskampagne wieder an die Alzeyerinnen und Alzeyer übergeben – voll nutzbar, ohne Auflagen und im Kostenrahmen. Nach nur wenigen Monaten Bauzeit zeigt das Projekt, was mit Teamwork, Pragmatismus und regionaler Zusammenarbeit möglich ist.
Ein ganz besonderer Abend für Alzey: Mit der offiziellen Wiedereröffnung wurde die Stadthalle rechtzeitig zur Fastnachtskampagne an die Alzeyerinnen und Alzeyer zurückgegeben – pünktlich und voll nutzbar. Die „Gut Stubb“, das Wohnzimmer für Generationen von Alzeyerinnen und Alzeyern, ist nach nur wenigen Monaten Bauzeit wieder geöffnet. Und das, obwohl es Überraschungen und Zusatzarbeiten gab und das Zeitfenster mehr als eng war.
„Wir haben Wort gehalten“, bringt Bürgermeister Steffen Jung es bei der Eröffnung auf den Punkt. „Der Saal ist bereit, die Narrenkappe darf wieder rein. Oder, wie der Alzeyer sagt: Es geht widder los!“
Fertig auf den Punkt – trotz Extras
Ursprünglich als Lowtech-Sanierung geplant, wurde das Projekt im Verlauf anspruchsvoller als gedacht. So wurde unter anderem zusätzlich eine Brandmeldeanlage mit direkter Aufschaltung zur Feuerwehr eingebaut, wofür rund 200.000 Euro fällig wurden, die ursprünglich nicht eingeplant waren. Trotzdem konnte der gesetzte Kostenrahmen von 1,8 Millionen Euro für die notwendige Ertüchtigung der Stadthalle eingehalten werden.
„Lowtech, wie ursprünglich geplant, trifft es am Ende nicht mehr ganz“, sagt Architekt Jörg Deibert. „Aber es ist eine Low-Budget-Sanierung geblieben: pragmatisch, lösungsorientiert und auf das Wesentliche konzentriert. Nur so und dank des Einsatzes aller Beteiligten – von den Behörden bis zu den Handwerkern – war es möglich, dass wir heute hier stehen. In einer brandschutztechnisch sanierten Stadthalle mit weiteren Mietflächen, die den Bürgerinnen und Bürgern nun wieder auf vielfältige Weise zur Verfügung steht.“
Alle notwendigen Abnahmen sind erfolgt und die Brandmeldeanlage ist am 8. Januar in Betrieb gegangen – just in time. Damit ist die Stadthalle wieder vollumfänglich und ohne Auflagen nutzbar. In wenigen Tagen feiern zum Auftakt wieder 400 Narrhallesinnen und Narrhallesen in der „Gut Stubb”. Zuletzt waren im Alzeyer Wohnzimmer nur noch maximal 200 Personen unter strengen Auflagen erlaubt.
Teamarbeit, die Maßstäbe setzt
Im Mittelpunkt des Eröffnungsabends standen nicht Pläne oder Zahlen, sondern die Menschen hinter dem Projekt. Architekt Deibert holte alle Beteiligten nach vorne – Handwerker, Planer und Verantwortliche – und sprach über das, was diese Baustelle geprägt hat: Identität, Wertschätzung, Ehrenamt, Zusammenhalt und Vertrauen in regionale Betriebe. Ohne den Einsatz der regionalen Betriebe und den Mut, kreative Lösungen zu finden, wäre das Projekt angesichts des engen Kosten- und Zeitfensters so nicht möglich gewesen. „Die Stadthallensanierung hat gezeigt: Es braucht keine deutschland- oder europaweiten Ausschreibungen, um ein solches Projekt kosteneffizient umzusetzen. Und das Beste ist: Das Geld bleibt ebenfalls in der Region“, betont der Architekt.
Insbesondere das enge Zeitfenster bereitete den Verantwortlichen mitunter ganz schön Kopfzerbrechen. „Denn Fastnacht – das musste ich lernen – lässt sich nicht verschieben“, sagt Deibert mit einem Augenzwinkern. Da man lieber feiernde als demonstrierende Fastnachter auf dem Roßmarkt sehen wollte, wie Jung ergänzt, war also Eile geboten. Tatsächlich wurde bis zur letzten Minute in der Stadthalle gearbeitet. Auch an Heiligabend, zwischen den Jahren und an Silvester. Mit Tagesbauzeitenplänen, kurzen Wegen und viel Improvisationstalent.
„Hier wurde nicht einfach gearbeitet, hier wurde malocht“, bringt Deibert es auf den Punkt. „Manchmal fühlte es sich an wie bei ‚Wetten, dass..?‘. Aber am Ende können wir sagen: wir haben es geschafft. Danke an alle, die es möglich gemacht haben!“
Ein starkes Signal für die Stadt
Auch ABG-Geschäftsführer Volker Riedel spricht von einem „sehr guten Tag für unsere Stadthalle“. Die Halle ist nun wieder ohne Einschränkungen nutzbar, bietet mehr Flächen als zuvor und ist in Rekordzeit saniert worden. Noch im Jahr 2021 waren Sanierungskosten von über vier Millionen Euro im Gespräch. Der bewusste Verzicht auf teure und wartungsintensive Technik sowie der Fokus auf praktikable Lösungen haben den Unterschied gemacht.
„1,8 Millionen Euro waren angesetzt – und dabei ist es geblieben“, so Riedel. „Das zeigt, was möglich ist, wenn Zusammenarbeit funktioniert.“
Neue Möglichkeiten unter einem Dach
Mit der Sanierung ist die Stadthalle nicht nur sicherer, sondern auch vielseitiger geworden:
- Der Große Saal steht wieder für Fastnacht, Vereinsfeste, Konzerte, Bälle und Kulturveranstaltungen bereit.
- Die ehemaligen Volkerstuben werden in den kommenden Wochen fertiggestellt und bieten dann moderne Büroflächen.
- Der Ratskeller ist baulich aufgewertet und bereit für einen neuen Pächter.
- Ein Eiscafé im ehemaligen Kopfbau der Stadthalle mit barrierefreiem Anschluss an den Stadthallenplatz ergänzt künftig das gastronomische Angebot.
- Der Stadthallenplatz selbst ist nun besser eingebunden und belebt.
Wie Riedel erklärt, werden derzeit noch Pächter für den Ratskeller und das Eiscafé sowie Mieter für das Obergeschoss gesucht. Gespräche laufen bereits. „Wir wollten aber bewusst bis zur Fertigstellung warten, um den potenziellen Pächtern das ganze Potenzial eindrucksvoll aufzeigen zu können”, so der ABG-Chef.
Riedel macht dabei deutlich, dass für das „Alzeyer Wohnzimmer” nicht irgendwelche Pächter gesucht werden. „Wir suchen einen Gastronom, dessen kulinarisches Angebot zu der Stadthalle passt und der zugleich über genügend Organisationstalent und Kreativität für die Nutzung und Verpachtung des großen Saals verfügt. Und auch das Eiscafé wird nicht irgendein Eiscafé. Es wird eines, in dem Inklusion und Zusammenhalt gelebt werden“, so Riedel weiter. Mit einem Anbieter, der das Café mit 45 Sitzplätzen betreiben und Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen beschäftigen wird, werden bereits Gespräche geführt. Näheres wird wohl in den nächsten Wochen verkündet werden können.
Ein Ort, der von Menschen lebt
„Diese Halle lebt nicht durch ihr Mauerwerk“, sagte Bürgermeister Jung. „Sie lebt durch die Menschen, die sie füllen.“ Die Entscheidung zur Sanierung sei bewusst gemeinsam von Stadtrat, Verwaltung und Baugesellschaft getroffen worden, getragen vom klaren Wunsch der Bürgerschaft, die Stadthalle zu erhalten. Und das Ergebnis, davon sind alle Verantwortlichen überzeugt, kann sich sehen lassen. Das nächste Kapitel der „Gut Stubb“ ist aufgeschlagen. „Jetzt geht es darum, dass hier wieder gefeiert, getanzt und neue Erinnerungen geschaffen werden“, schloss Jung.
Nach den offiziellen Reden nutzten die Mitglieder des Aufsichtsrates, des Stadtrates und der beteiligten Firmen die Gelegenheit, bei Führungen einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und zu sehen, was in kurzer Zeit entstanden ist. Denn die „Gut Stubb” ist zurück. Nicht als Kompromiss, nicht als Sorgenkind und auch nicht als Dauerbaustelle, sondern als lebendiger Ort für Begegnung, Kultur und Gemeinschaft. (Quelle: Stadtverwaltung Alzey , Foto: Carsten Selak FOTOGRAFIE)




























