ALZEY (jk)- Als erste niedrigschwellige und kostenlose Anlaufstelle für Betroffene, deren Angehörige und ihr soziales Umfeld berät, informiert und unterstützt der Sozialpsychiatrische Dienst der Kreisverwaltung-Alzey-Worms (SpDi) Menschen in psychischen Krisen.
Der SpDi schafft Kontakt zum jeweils passenden Hilfeangebot oder kümmert sich um eine medizinische Versorgung. Laut Anita Haas, einer erfahrenen Mitarbeiterin des SpDi, nehmen meist Menschen aus dem sozialen Umfeld von Betroffenen den ersten Kontakt mit der Anlaufstelle auf. Doch manchmal wenden sich die Menschen auch selbst mit ihren Sorgen und Problemen an die Mitarbeiter.
Die Sozialarbeiter und Sozialpädagog des SpDi arbeiten trägerneutral und vertraulich, auf Wunsch bleiben die Hilfesuchenden anonym. Der SpDi kommt nur zum Einsatz, wenn es keine sonstigen Verantwortlichen gibt und zielt darauf ab, dass sich die Mitarbeiter durch eine passende Vermittlung wieder entbehrlich machen. Dazu suchen die Mitarbeiter des SPDI die betroffenen Menschen auf: Begegnungen können entweder im Gesundheitsamt, zuhause oder an einem neutralen Ort stattfinden. Außerdem setzt sich der SpDi für psychisch Erkrankte ein und fordert deren Selbstbestimmung. Der Dienst ist beim Gesundheitsamt eingerichtet und arbeitet mit den Einrichtungen und Diensten innerhalb der Gemeindepsychiatrie zusammen: Beispielsweise stellt die Rheinhessenfachklinik in Alzey mit ihren Angeboten einen wichtigen Partner in der Region für die SpDi dar. Wird eine Person aus einer psychiatrischen Klinik entlassen, wird der SpDi zumeist eingebunden. Wenn Betroffene es wünschen, kann der Kontakt auch während eines Klinikaufenthalts aufrecht erhalten bleiben. So werde dem Risiko eines psychischen „Lochs“ nach dem Aufenthalt entgegengewirkt.
Neben all diesen Aufgaben geben Supervision, Arbeitsschutzmaßnahmen und Teamtage, bei denen einzelne Fälle besprochen werden, den Mitarbeiter*innen des SpDi einen wertvollen Rückhalt.
Welche Entwicklungen des Angebots gab es in den letzten Jahren? Während der Corona-Pandemie, berichtet Haas, hätten viele Menschen das Angebot in Anspruch genommen, die den Mitarbeiter noch unbekannt waren und die sich plötzlich in einer mentalen Krise befanden. Viele davon litten unter Depressionen – und auffallend viele junge Menschen seien nach der Corona-Pandemie hinzugekommen. Letztere seien oftmals in Folge der Corona-Maßnahmen vereinsamt. Aufgrund des akuten Personalmangels fehlen immer wieder Hilfsmöglichkeiten in Kliniken und anderen Bereichen, sodass die Nachfrage beim SpDi stetig steigt. Beispielsweise finden Betroffene keinen Facharzt. Es zeigt sich: Der SpDi übernimmt eine wichtige Aufgabe.
Im Zuge des Personalaufbaus im Öffentlichen Gesundheitsdienst in Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie konnte der SpDi um einige Stellen erweitert werden. Noch bis zum Jahr 2026 wird der Bund hierfür jedes Jahr Gelder zur Verfügung stellen. Offen bleibt, ob die Stellen nach 2026 weiterhin vom Bund finanziert werden.
Die gesetzliche Grundlage für den SpDi bildet das Gesetz über Hilfen bei psychischen Erkrankungen (PsychKHG) von 2021. Darin wird dem freien Willen der Betroffenen ein hoher Stellenwert beigemessen. Außerdem wird dem SpDi in dem Gesetz aufgetragen, unter bestimmten Voraussetzungen Schutzmaßnahmen durchzuführen. Das Ziel dahinter ist, zu verhindern, dass psychisch Kranke sich selbst oder andere in Gefahr bringen. Haas betont, dass Schutzmaßnahmen nach dieser gesetzlichen Grundlage nicht für Menschen angeordnet werden können, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankungen auffallen, von denen aber keine Gefahr ausgeht.
Der SpDi wolle vielmehr die Integration von psychisch Kranken in die Gesellschaft unterstützen. Berit Kohlhase-Griebel, Ärztliche Leitung des Gesundheitsamts Alzey-Worms, betont: „Als Gesellschaft sind wir dazu angehalten, Menschen mit all ihren persönlichen Eigenheiten anzunehmen. Wenn wir es schaffen, jeden Menschen individuell zu stärken und die Teilhabe an den sozialen Systemen zu ermöglichen wird uns das auch als Gemeinschaft bereichern und stark machen.“
Der SpDi kann montags bis freitags, von 8 bis 12 Uhr, montags und dienstags von 14 bis 16 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr in Alzey oder in der Außenstelle in Worms aufgesucht werden. Die Adresse lautet: An der Hexenbleiche 34, 55232 Alzey oder Prinz-Carl-Anlage 3 in 67547 Worms. Telefonisch erreichbar ist der Dienst in Alzey unter 06731 408 7039 in Worms unter 06731 408 6501.
Außerdem bietet der SpDi einmal im Monat dienstags von 14 bis 16 Uhr eine Außensprechstunde in der VG-Verwaltung Wörrstadt an. Anmeldungen erfolgen über Frau Haas unter folgender Nummer: 06731 408 7090.
Quelle: Kreisverwaltung Alzey-Worms




























